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Mittwoch, 5. Juni 2019 19.00 Uhr


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Venedig

 

Unterricht vor Ort

 

Die zweite Kunstgeschichtsepoche der 12. Klasse findet während einer dreiwöchigen Italienreise statt, bei der die SchülerInnen an Ort und Stelle zuhause vorbereitete Referate zu den besichtigten Kunstwerken halten.

Diese Fahrt hat nicht so stark den Charakter einer "klassischen" Klassenfahrt sondern eher den eines Praktikums. Nach vielen Jahren des intensiven Kunstunterrichtes und das Erüben von Kunstbetrachtung begegnen die Schüler nun den Originalen. Diese werden studiert, gezeichnet und dokumentiert.

So ging die Reiseroute 2008 zum Beispiel durch folgende italienische Städte:

Verona - Venedig - Ravenna - Florenz - Siena - Arezzo - Rom - Assisi

Collage von Italienbildern

 

‚Kunst auf Reisen‘ oder ‚warum der Aufwand?‘

Olivenbäume unter blauem Himmel, weit gespannte Felder, Sonne über der Toskana. Die Schüler im Bus lassen Landschaft, Gehöfte und Wälder an sich vorübergeiten oder spielen Karten. Noch einige enge Kurven. Wir steigen aus und folgen dem Weg zwischen alten Weinstöcken und Zypressen bergan zur romanischen Kirche in Gropina. Altes Gemäuer aus grauem sandigem Stein birgt Vergangenheit umgeben von wenigen Häusern. Eine Schülerin erläutert im Referat die Geschichte der Kirche und hebt die Kanzel, das Kleinod der Kirche ins Zentrum Ihrer Ausführungen. An keinem Ort dieser Reise führt das „Loucus iste“ zu solch einer innigen Stimmung und Verbundenheit mit der Architektur. Unter der Basilika finden sich Schichten aus etruskischer- und langobardischer Zeit…

Im Lehrplan von Stockmeyer aus der ersten Waldorfschulzeit sind für alle Oberstufenklassen fünf bis sechs Wochen Kunstbetrachtung vorgesehen. Die erste Epoche im 12. Schuljahr behandelt die Architekturgeschichte bis zu Konstruktions- und Materialfragen. Die zweite Epoche soll einer Ansicht nach die Kunstreise sein. Architektur nicht vom Dia, sondern zum Anfassen, Hören und Fühlen. Warum? Um Fächern, welche nicht vorrangig übenden Charakter haben, größere Bedeutung zu geben, haben wir in der Waldorfpädagogik den Epochen-Unterricht. So sind die Themen stärker konzentriert. Noch stärkere Gewichtung erfährt ein Thema, wenn es zum Projekt erhoben wird. In diesen Projektzeiten stehen andere Fächer ganz oder in Teilen zurück. Noch weitere Steigerung und pädagogische Wirkung erfährt ein Projekt wenn es außerhalb der Schule stattfindet, wie bei der Praktika der Oberstufe. Ist der Ort des Projekts im Ausland vor den Originalen, ist eine größtmögliche Bedeutsamkeit dem Unterricht gegeben. Eine Reise dieser Art ist bleibender Eindruck du Gewinn fürs Leben. Wie schade, wenn diese kostbaren Möglichkeiten vergeben und nicht für inhaltliche Arbeit genutzt werden, wenn z. B. eine 12. Klassenreise zum Event “just for fun” abgleitet… Den Spaß haben unsere Schüler auch auf der Architekturreise in der Toskana. Wichtige Reiseziele gibt es viele in Europa: Griechenland, Sizilien, Spanien, das romanische Burgund oder Prag u.a.

Für mich ist Florenz und seine Umgebung das geeignetste Ziel, weil dort mit dem Bau der Domkuppel die Neuzeit ihre Geburtsstunde hat. Wir können dort zwischen den Kuppelschalen und auf der Laterne unsere Quellen spüren. Auch ist hier in unmittelbarer Nähe die Vielfältigkeit der Stilepochen in hoher Qualität zu finden. Rom mit der Antike, (vor einigen Jahren, als noch mehr Zeit und Geld zur Verfügung war, die griechischen Tempel in Paestum), Frühchristentum, romanische Kirchen, die Gotik in Siena, Renaissance und Barock vielerorts, vor allem in Venedig. Die zeitgenössische Architektur auf der Rückreise bei Vitra in Weil am Rhein. Auch ist eine freilassende Begegnung mit dem Goetheanum in Dornach zum Ende der Waldorfschulzeit möglich. Der ‚Bau‘ ist ja in der Fachwelt fester Bestandteil der allgemeinen Architekturgeschichte.

Dass die Themen der Referate über die Architektur weit hinaus in Kultur, Bildhauerei und Malerei ragen versteht sich von selbst. Es ist nicht möglich in Florenz gewesen zu sein, ohne Michelangelos David zu begegnen. Die Gesprächsrunden auf der paradiesischen Wiese vor dem angemieteten Bauernhaus im Schatten der Maronen gehören zu den nachhaltigsten Unterrichtstunden der Schulzeit. Im Klassengespräch ermöglichen sie weitere Zusammenhänge und Perspektiven. Zu jedem Referat gibt es vom Referenten ein Handout welches für alle Mitschüler nach der Reise kopiert wird. So hat jeder neben den persönlichen Zeichnungen und dem Reisetagebuch das Epochenheft. Die Aufgabe, die Eltern auf einem Berichtselternabend an den Erfahrungen der Reise teilhaben zu lassen steht noch bevor. Es kann nicht darum gehen, Referate wieder aufzuwärmen, oder nur Digitales zu beamen. Sondern eine Gesprächssituation zu Schaffen, an der sich Schüler, Eltern und Lehrer beteiligen können in der, wie auf der Wiese in Italien aus den Eindrücken der Vergangenheit Neues entstehen kann. Dank den Eltern! durch ihre finanziellen Beiträge wurden diese außergewöhnlichen drei Wochen ermöglicht. Auch die Schüler haben durch den Einsatz im Café Astoria und das Klassenspiel einen erheblichen Anteil beigetragen.

Tanti saluti

Thomas Frank (Kunstlehrer)