Das Segelprojekt
Segeln ist die beste Schule
Seit 3 Jahren besteht an unserer Schule die regelmäßige Möglichkeit für die Oberstufe das Hochseesegeln zu erlernen. Gemeinsam mit der Waldorfschule Oldenburg führen wir die Törns mit ca. 16 Jugendlichen und 4 erfahrenen Erwachsenen auf verschieden Hochseeyachten durch.
Bisherige Ziele waren Wattenmeer- und Nordseefahrten im Jahr 2003, eine Ausbildungsfahrt nach London im Jahr 2004 und eine Ausbildungsfahrt nach Norwegen im Jahr 2005. Teilweise waren die Schüler und Schülerinnen schon selbstständige WachführerInnen.
Weitere Schulen aus dem europäischen Sprachraum haben sich bei uns schon angemeldet.
„Das Boot ist der beste Lehrer, den ich hatte, ab Montag komme ich nur noch pünktlich in die Schule!“ Der 16 jährige Robin aus Hamburg kommt gerade von einem Segeltörn aus London zurück, mit einem strahlenden Lächeln und schaukeligem Seemannsgang geht er auf seine Eltern zu und begrüßt sie. „Wir hatten richtig Sturm, das Wasser stand uns bis zur Halskrause. Aber auch bei Windstärke neun bin ich pünktlich um vier Uhr zum Wachwechsel aufgestanden. Sonst hätten meine Kollegen an Deck frieren müssen und meinen Job gemacht. Das geht natürlich nicht.“ Deshalb will Robin nun auch an Land seine Klassenkameraden nicht im Stich lassen und immer pünktlich sein.
Wie er haben 14 weitere Schüler der Waldorfschule Hamburg-Bergstedt und dem niedersächsischen Oldenburg an dem Segelprojekt „Segeln am Rande des Atlantiks“ teilgenommen. Mit dem 20 Meter langen Toppsegelschoner „Vegewind“ waren sie 10 Tage im herbstlichen Wetter auf der Nordsee zwischen Bremerhaven und London unterwegs. Für die Sicherheit an Bord sorgen ein Kapitän und zwei Wachführer, allesamt Waldorfpädagogen und erfahrene Wassersportler. So wie Volker Reineke, einer der Projektleiter, aus Oldenburg: „Die Einflüsse von Wasser, Wind und Strömung sind gewaltig und erbarmungslos, aber authentische Schulmeister, bei dem die Schüler in einem „pädagogischen Wirklichkeitstraum“ Natur-, Technik und Mathematik erleben.“ Erfahren wird auch die Knappheit von Ressourcen wie Wasser und Strom sowie ein sozial verantwortliches Zusammenleben an Bord. Das Schiff wird schnell zum Erfahrungs-Labor, keiner kann sich entziehen. Kommunikation ist gefragt, Probleme müssen diskutiert werden, wenn die Atmosphäre an Bord harmonisch bleiben soll.
Wenn die segelnden Waldorfschüler nicht gerade auf dem Wasser sind, werden in den Häfen entlang der Route naturgeographische Exkursionen gemacht und Museen besucht. „Mit Helgoland als Station hatten wir hervorragende Lehrbedingungen für Geographie und Biologie. Und in unserem Zielhafen London stehen mehr Museen zur Verfügung, als man in einigen Tagen bewältigen kann,“ findet Knut Knödel. Auch der Hamburger Lehrer hat das Projekt begleitet und mit entwickelt. „Die Resonanz bei Schülern, Eltern und nicht zuletzt Lehrern, ist riesengroß. Deshalb gibt es auch nächstes Jahr wieder Projekttörns „Segeln am Rande des Atlantiks“. Nord- und Ostsee mit Anrainerstaaten sind die Reviere für die etwa 1.300 Seemeilen langen Bildungstrips. Die Waldorfschulen entlang der Routen sollen besucht werden, und die Schüler können Erfahrungen und Ideen austauschen. Geplant ist auch verschiedensprachige Crews aus Europa an Bord zu bringen.
Finanziert werden soll das Projekt mit Geldern der EU, dann brauchen Eltern lediglich die Kosten für den Proviant aufbringen. „Dann kann jeder bei uns mitfahren, der von seiner Klassengemeinschaft und dem Lehrer vorgeschlagen wird,“ freut sich Reineke. Schon heute haben sich einige Partner stark gemacht, damit die Schüler auf See kommen. Die Reederei „Navigator Sail Training“ aus Bremen-Vegesack stellte den Schoner „Vegewind“ zur Verfügung. Und die „Segelschule Wilhelmshaven“ sorgte mit nautischer Ausbildung dafür, dass den Landratten echte Seebeine wachsen.
Für Schüler Ilmarinen aus der 10. Klasse steht fest: „Obwohl man heutzutage trockener und wärmer nach London kommt – diese Reise bleibt unvergesslich. Ich werde mich dafür einsetzen, dass in Zukunft auch andere Schüler das erleben dürfen.“

