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Italienreise 20.6.

Ein müder Haufen mit geröteten Augen schleppte sich gegen 20 vor acht den Berg runter zum Bus. Es ging nach Siena. Was nicht ging, war das Wetter: Es regnete schon am Morgen und an diesem grausamen Spiel der Götter sollte sich den Tag über wenig ändern.
Doch die Stadt selbst schien die Sache wert zu sein. Nachdem wir vom Bus aus in die Innenstadt marschiert waren, traten wir vor das Rathaus mit dem Platz davor (man kennt den aus dem letzten James Bond), wo das Palio stattfindet, das unerbittliche Pferderennen. Von da aus ging es weiter zum Dom von Siena und wer den schon mal gesehen hat, weiß: Man kann eine Weile davor stehen bleiben. Ein Gebäude, das infolge zahlloser Verzierungen und in seiner immensen Pracht etwas für die Ewigkeit ist. Es ist wohl der Rausch der Kunst, dem zuzuschreiben ist, dass man trotz Vorbereitung und Vorkenntnis doch immer richtig baff ist, wenn solch ein Meisterwerk dann vor einem steht.  Aus Julians Referat erfuhren wir, dass dieses „krasse Gelöt“ (das trifft´s wohl immer noch am besten) der einzige Dom der Welt ist, bei dem schwarzer und weißer Marmor als Muster kombiniert sind. Sieht aber toll aus.
Weil betreffender Wunsch nach dem Florenzbesuch geäußert wurde, durften wir in den folgenden Stunden Siena auf eigene Faust erkunden. Die vielen engen Gassen sind zwar wunderschön, aber mittlerweile goss es in Strömen. Wir taten gut daran eine nette, kleine Pizzeria aufzusuchen. Oder ein Cafe. Oder einen Busbahnhof. Italien kann richtig ungemütlich werden an solchen Tagen. Da ist das Nächste schon mal das Beste.
Am Nachmittag trafen wir uns vor dem Dom wieder. Mit einer, dieser Klasse im Grunde fernliegender Hast, betraten wir ihn, was einerseits Ausdruck allgemeiner Neugier war und andererseits das lebhafte Interesse nicht wieder durchnässt zu werden. Der Dom hielt von innen, was er von außen versprochen hatte: Er ließ uns erst mal nicht aus dem Staunen kommen. So viel Pracht! So viel Reichtum! So viel Aussagekraft! Wir blieben eine Stunde, dann ging es wieder zum „Piazza del Campo“, wo wir ein weiteres Referat von Thyra und Grete hörten. Wir versuchten uns vorzustellen, wie der Platz gefüllt ist mit einer Menschenmasse, um den herum die Pferde toben und wirbeln bei diesem blutigen Rennen. Es war nicht unsere Phantasie, die uns einen Streich spielte, als wir es mit einem mal um uns herum schreien und rufen hörten. Der Tumult kam aus den zahlreichen Bars, die uns umgaben. Ausgestoßen von den fußballbegeisterten Gästen, welche soeben  wahrnehmen mussten, dass die italienische Mannschaft zurücklag. Gegen Neuseeland. 0:1. Über Siena hingen schwer die grauen Wolken. Es nieselte jetzt wieder. Trotz allem Respekt diesem schönen Land: Mit einem leisen Lächeln traten wir die Heimreise an.  

Tim Versteegen