Interview mit Giovanni
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- Erstellt am Dienstag, 09. Juni 2009 14:17
Interview mit Giovanni:
Frage 1: Was hat dich motiviert nach Talla zu kommen und einen großen Teil deines Lebens hier zu verbringen?
Ich bin seit 1980 also seit fast 30 Jahren hier und verbringe seitdem die Sommermonate in meinem Haus in Talla. Ursprünglich bin nach meinem Studium der Soziologie hierher gekommen. Damals war ich in der Ausbildung zum Psychotherapeuten und da hat sich das Bedürfnis ergeben für psychotherapeutische Seminare einen Ort zu finden der etwas abgelegen von der Zivilisation liegt und wo man seine Ruhe hat. Da ich in der Lage war ein Grundstück zu erwerben, habe ich in der Gegend gesucht und bin mit diesem Haus fündig geworden.
Frage 2: Was machst du wenn du nicht in Talla bist?
Wenn ich nicht hier in Talla bin lebe ich in Wien, wo ich keine fixe Arbeit habe sondern mich mit einigen Projekten beschäftige. Ich habe zum Beispiel einen Gourmet-Club für den ich manchmal koche. Ansonsten verbringe ich meine Zeit mit dem Schreiben und Denken ( lacht )…
Frage 3: Wie kommt es das überwiegend Waldorfschulen auf dich zu kommen?
Naja, ursprünglich waren es gar nicht die Waldorfschulen, die sind erst seit 1986 hierher gekommen. Vorher wurden hier Kunst-und Meditationskurse abgehalten, die immer noch neben psychotherapeutischen Seminaren und Fortbildungen für Ärzte stattfinden. Die Waldorfschulen kommen zunehmend hierher, da es ihnen offenbar gefällt. Nur Staatsschulen sind bisher nicht da gewesen, obwohl sie wie alle anderen willkommen sind.
Frage 4: Woher kommt deine Leidenschaft für gutes Essen?
Das hat sich hier in Talla ergeben. Die ersten Jahre herrschte hier eher eine Art “Anarchie” in der Küche. Die Gäste sind gekommen und es war damals die Zeit, wo jeder etwas eingebracht hatte. Wenn es eine Idee gab wurde sie einfach ausprobiert. Das lief dann einige Zeit so weiter und es kam zu absurden Sachen. Zum Beispiel hatte jemand Ideen, die man in Italien nicht umsetzen konnte. Irgendwann merkte ich, dass es so nicht weiter gehen kann. Somit habe ich mich dann entschlossen die Küche an mich zu “reißen”, denn Anarchie, oder nicht einmal Demokratie, sind in der Küche möglich. Es muss immer einen geben, der sagt was gemacht werden soll. Dann habe ich durch Versuch und Irrtum gelernt und mich im Laufe der Jahre der italienischen Küche genähert. Auf meinen Reisen im Mittelmeerraum habe ich mir viele Speisen abgeschaut und nachgekocht. So kam ich dann auf die Idee eine Küche anzubieten, in der regionale Lebensmittel verwendet werden. Denn ich finde es toll, das Beste aus einem Gemüse zu machen und herauszuholen, was wirklich den Charakter dieses Lebensmittels ausmacht. So hat sich das Kochen dann zu einer Leidenschaft von mir entwickelt; ich koche sehr gerne und habe sogar ein eigenes Kochbuch geschrieben.
Frage 5: Wie ist deine Lebens-Einstellung?
Ein Ziel in meinem Leben ist, mich mehr und mehr dem zu öffnen, was das Leben an Erfahrungen bietet. Mich auch nicht vor schmerzhaften Erfahrungen zu verschließen. Ich habe mir eine Weisheit meines Vaters zu meiner Lebenseinstellung gemacht, die da heißt: “Das Leben ist ein ungeheures Schauspiel und wir müssen dankbar sein, dass wir daran teilnehmen dürfen.” Daraus ist meine Motivation hervorgegangen, zu staunen und alles hinzunehmen wie es passiert.
Vielen Dank für das Interview.
(Leonhard Kattein, Christoph Müller)


