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Julians Rom

Rom – kaum eine andere Metropole dieser weiten Welt hat so viel zu erzählen, wie es die Hauptstadt Italiens tut. Im Herzen dieses Landes, in der Region Lazio, liegt dieser Mikrokosmos Italienischer Kultur und Geschichte.

Julian Romanum

Was macht diese Stadt so einzigartig? Sind es die zahllosen Überreste eines gigantisch mächtigen römischen Reiches? Sind es die unzähligen Heiligtümer christlicher Natur? Oder sind es doch die Römer selbst, welche – im Übrigen repräsentativ für die gesamte italienische Bevölkerung – la dolce vita, das süße Leben, im Herzen Europas leben? Es sind wohl all diese Dinge, welche den Charme dieser Großstadt ausmachen. Es sind schließlich auch all die Dinge, welche jedes Jahr Millionen von Touristen aus aller Herren Länder an den Tiber ziehen. Und es sind genau diese Dinge, welche wir mit unserem Besuch, mit unserem Exkurs in die Weltgeschichte an diesem Tage, den 5. Juni 2009 sehen, fühlen, schmecken – erleben sollten.
Dicht gedrängt stehen wir in einem Linienbus der römischen Verkehrsbetriebe. Öffentliche Verkehrsmittel in bella Italia kann man in etwa mit einem Opel Kadett, Baujahrs 1975, vergleichen. Eng, unhygienisch, alt und laut – aber man kommt voran. Aus diesem und keinem anderen  Zweck stehen wir also des Morgens gegen 10:30 in einem dieser Busse mit dem Ziel: Kolosseum.

Es ist schon komisch an einem Ort zu stehen, an dem zur Zeiten des römischen Kaiserreiches an die 500.000, ja, fünfhunderttausend,  Menschen regelrecht niedergemetzelt wurden. Nichtsdestotrotz  ist dieses Kolosseum schon beeindruckend. Wir hören ein Referat. Jochen erzählt, dass bis zu 50.000, ja, fünfzigtausend, Besucher in weniger als fünf Minuten dieses Kolosseum verlassen konnten. Das sind schon Zahlen, die einen beeindrucken. Wir gehen weiter. Ich referiere über das Forum Romanum. Was mich beim Anblick der Überreste dieses Platzes so fasziniert ist, dass diese Mauern, diese Steine, sowohl den Aufgang und die Blütezeit, wie auch die Dekadenz und den Untergang des Reiches quasi mit erlebten. Diese Überreste sind Zeitzeugen, sie können von gigantischen Fortschritten und Entwicklungen kultureller, politischer, wirtschaftlicher und religiöser Natur erzählen. Und ich bin da. Wir sind da. Nur die Zeit ist nicht vorhanden, sich hier zu besinnen und der Bedeutung dieses Platzes gewiss zu werden. Wir gehen weiter, in Richtung Pantheon. Gehen in Rom, das Wandeln in dieser Stadt überhaupt verlangt höchste Aufmerksamkeit. Nagut, die Italiener schaffen das auch irgendwie aber wir als Touristen haben es nicht ganz so einfach. Warum? Es sind nicht nur die Taschendiebe, welchen besondere Aufmerksamkeit gewidmet werden sollte. Es sind auch nicht nur die zahllosen Straßenverkäufer, meist mit Afrikanischem Migrationshintergrund, die man abwimmeln muss, obwohl sie doch original Uhren von Topmarken zu super günstigen Preisen anpreisen. Zugegeben, leicht fällt es einem nicht, wenn mir eine Eberhard & Co (Originalpreis des Modells circa 10.000 €) für „nur” 50 € angeboten wird, zu widerstehen. Aber da sind die italienischen Behörden knallhart! Das Kaufen gefälschter Originalware von Namenhaften Markenherstellern wird mit Strafen von bis zu 10.000 € sanktioniert. Und darauf kann ich gerade noch verzichten.

Nun, wir waren bei der Erklärung, weshalb das Wandeln in Rom nicht ganz so einfach ist. Es kommt noch ein Faktor hinzu: Ich überquere die Straße, gucke rechts und links, die Straße ist frei, also schnell rüber. Aber ich werde abgelenkt. „Che belle donne” denke ich nur, als sich mein Blick an die sonnengebräunten, glänzenden Beine vierer junger Italienerinnen fesselt. Madonna! Es ist wie im Film, wie sie in Zeitlupentempo meinen Weg passieren. Nein, passieren wäre untertrieben! Sie stolzieren, wie auf einem Laufsteg. Ich bin nicht der Einzige, der atemlos diese Grazien verfolgt, wie sie Laufstegmäßig und wie Diven mit Gesichtern hinter großen Sonnenbrillen versteckt die Straße überqueren. „Huup, huup”, ich schrecke zusammen. Um ein Haar verfehlen mich eine Piaggio 300, gefolgt, nein verfolgt, von einer Vespa E 125 mit völlig überhöhter Geschwindigkeit. Die Italiener lieben Mofas. Schließlich kommen zwei der renommiertesten Hersteller aus Italien. Dicht gedrängt, mit meinst weniger als 10 Zentimetern Abstand zueinander stehen sie oft meterlang an den Straßen. Es ist ein einziges Gehupe und Getute, welches durch die Gassen schallt. Und genau von solch zweien werde ich aus meinem Traum herausgerissen. Mit der Zigarette im Mundwinkel, Goldkettchen und vier offenen Knöpfen passieren die schnieken jungen Herren den Fußgängerüberweg. Selbstverständlich bei rot. Aber das kann man sich ja leisten, wenn man original italienische Lackschuhe, glänzend aus feinstem kalabrischen Kalbsleder für etwa 250 € trägt. Gut, denke ich mir, das war knapp!
Der Weg führt uns weiter zum Pantheon. Vorbei an wild diskutierenden, am Telefon „pronto” sagenden, hinter großen Fliegerbrillen versteckten („TOP GUN” ist wieder modern!) Italienern und jeder Menge Touristen kommen wir am Pantheon an. Ein unglaubliches Bauwerk, dieses Pantheon. Laura erzählt im Rahmen ihres Referates über die Geschichte dieses Elementes religiöser Geschichte.

Es ist Zeit für einen Kaffee. Die Lust nach frisch geröstetem italienischem Kaffee zieht mich in ein Straßencafé am dortigen Platz. Mein Italienisch ist nicht gut, es reicht dennoch aus um einen Kaffe, ein Bier oder eine Packung Camel zu kaufen und nach der Telefonnummer einer bella donna zu fragen. „Buona sera” begrüßt mich der nette Kellner und serviert mir kurz danach einen Cappuccino. Er schmeckt fantastico, was ich dem Kellner auch umgehend mitteile. Er schmeckt besonders gut in der mediterranen Sonne nach einem so anstrengenden Fußmarsch. Nagut, die sieben Euro hätte ich auch besser investieren können, aber gestärkt schließe ich mich wieder der Gruppe an und bewege mich nach einem gemeinsamen Abstecher bei der Gellateria zum Petersplatz und dem Petersdom. Ich bin völlig dehydriert. Eine eisgekühlte Coca-Cola rettet mich. Ich war schon einmal hier aber dennoch faszinieren mich diese Dimensionen, welche dieser Dom verkörpert. Nach der kleinen Audienz bei Papst Benedikt machen wir uns wieder auf den Weg nach Hause. Was uns antreibt: Rosmarinkartoffeln und Hähnchenschenkel. Giovanni kocht! So läuft es sich schon um einiges leichter. Das zu erwartende Essen typisch Toskanischen Rezeptes lässt einen auch die Fahrt in U-Bahn und Stadtbahn aushalten, welche uns von Michi, unserem Fahrer, und seinem Bus trennt.