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Praxisforschungsprojekt

Praxisforschungsprojekt

 

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Praxisforschungsprojekt „Selbstverantwortliches Lernen an Freien Waldorfschulen“

Unsere Schule beteiligt sich an einem auf mehrere Jahre angelegten Praxisforschungsprojekt zum Thema „Selbstverantwortliches Lernen“, das von der Akademie für Entwicklungsbegleitung ins Leben gerufen wurde. Unser Ziel ist es, mit modernen Unterrichtsmethoden auf der Basis der Pädagogik Rudolf Steiners die Rahmenbedingungen und Struktur des Unterrichts zu erweitern und erneuern. Wir wollen das selbstständige und selbstverantwortliche Arbeiten und Lernen unserer SchülerInnen fördern und Interesse an der Sache sowie Freude am Lernen hervorrufen. Welche Möglichkeiten es dafür gibt, wollen wir systematisch erforschen. In einem kleinen Team von LehrerInnen werden über einen längeren Zeitraum hinweg Unterrichtsprojekte vorbereitet, besprochen und weiterentwickelt. Regelmäßige Treffen, gegenseitige inhaltliche und methodische Unterstützung, Hospitationen und Intervisionen sowie die Begleitung durch einen externen Coach gehören dazu.

Unsere Erfahrungen und Ergebnisse werden laufend schriftlich dokumentiert. Durch die Vernetzung mit anderen Waldorfschulen, die ebenfalls aktiv an der Weiterentwicklung ihrer Unterrichtsstrukturen und -methoden arbeiten, streben wir einen intensiven Erfahrungsaustausch an. Wichtig erscheint es uns auch, eine Wahrnehmung von „gelingenden Schulen“ und den Methoden, mit denen diese arbeiten, zu entwickeln und für unsere Frage fruchtbar zu machen.

 

Im Folgenden erhalten Sie einen Eindruck von unserer Arbeit. Bei Interesse einfach auf den Titel klicken!

 

 

 

 

 

 

 


 

Üben



► F.B.: Mathematik in der Oberstufe: Selbstständiges Arbeiten der Schüler der 9. Klasse mit systematisch aufbereiteten Arbeitsmaterialien zum Lösen quadratischer Gleichungen

Ziele und Motive

Ich möchte mit meiner Übungsmappe ein selbstständiges Erarbeiten und Nachbereiten des Unterrichtsstoffes und ein motivierteres und stressfreies Arbeiten und Lernen erreichen, da Zeit- und Anpassungsdruck entfallen und das Lernen den unterschiedlichen Fähigkeiten der Schüler angepasst ist. Ferner soll Sicherheit im Umgang mit der Anwendung der p-q-Formel erlangt werden. Idealerweise sollten die Schüler durch das intensive individuelle Üben die Formel gründlicher verinnerlicht haben, so dass sie in den folgenden Klassen sicherer zur Verfügung steht.

Der Versuch soll mit den SchülerInnen der 9. Klasse durchgeführt werden. Dies setzt voraus, dass die SchülerInnen bereit sind, sich auf diesen Versuch/dieses Projekt einzulassen (muss in vorherigen Gesprächen sichergestellt werden). Ferner wird es gelegentlich eine Absprache und Aufgabenweiterentwicklung mit einem Kollegen, Bernd Spieshöfer, geben.

Die selbstständige Schülerarbeit mit einer Übungsmappe ermöglicht es,

• die Schüler weder zu unterfordern noch zu überfordern, da Inhalt und Auswahl der zu bearbeitenden Aufgaben den individuellen Lernfähigkeiten der Schüler angepasst werden können,

• Langeweile (bei schnellen Schülern) bzw. Frustration (bei langsamen oder leistungsschwächeren Schülern) und damit verbunden der Gefahr von Unruhe und Disziplinstörungen vorzubeugen,

• dass die Schüler ihr Arbeitstempo selbst bestimmen und ohne Zeitdruck oder gar Angst lernen können,

• dass die Schüler zumindest teilweise über die Auswahl der Aufgaben selbst bestimmen dürfen,

• dass für abwechslungsreiche Aufgaben gesorgt werden kann, was auf die Schüler zusätzlich motivierend wirkt,

• mir als Lehrerin, mehr Zeit und Ruhe für die Begleitung und Beratung hilfsbedürftiger Schüler zu haben,

• dass begabte Schüler selber Aufgaben ergänzen könnten.

Den gesamten Text erhalten Sie => hier als .pdf zum download.

 

 

► F.B.: Mathematik in der Oberstufe: Schüler ab Klasse 10 erstellen und korrigieren ihre (Epochen-) Arbeit selber

Ziele und Motive

Die Schüler verbinden sich besser mit dem Unterrichtsthema, wenn sie mehr in die Arbeit mit einbezogen werden. Sie müssen (wenigstens inhaltlich) Teile des Unterrichts sehr gut verstanden haben, damit sie Aufgaben erstellen können. Oberflächliches Auswendigpauken reicht nicht. Mein Ziel ist, dass die Schüler den Inhalt gründlicher verstehen. Wenn sie selber bestimmen können, worüber sie abgefragt werden, wissen sie, was sie erwartet → dadurch bekommen sie (hoffentlich) mehr Erfolg in der Arbeit → das führt zu mehr Selbstvertrauen (= „Ich kann was“) → dadurch entsteht mehr Motivation. Da die Schüler die Aufgaben natürlich zum Unterrichtsthema stellen müssen und sich gegebenenfalls mit mir beraten können, wird „kein Mist“ vorgeschlagen werden.

Ich möchte erreichen, dass den Schülern das Wissen auch in den folgenden Klassen besser zur Verfügung steht, weil sie sich intensiver mit dem Lerninhalt verbunden haben.


Den gesamten Text erhalten Sie => hier als .pdf zum download.

 

 


► Dr. Irene Jung: Entwicklung eines individualisierten Deutschunterrichts durch projektorientierte, selbständige Erarbeitung der Literaturgeschichte im Leistungskurs der 12. Klasse

Ziele und Motive

Ziel ist die selbstständige Erarbeitung der Literaturgeschichte im Rahmen einer Gruppenarbeit mit jeweils maximal vier Personen. Der Schwerpunkt liegt auf der Literaturgeschichte, es werden jedoch die Musik und Bildende Kunst, Naturwissenschaften und Errungenschaften der Technik, Philosophie und der geschichtliche und gesellschaftliche Hintergrund einbezogen. Die Aufgabenstellungen sind klar definiert, lassen jedoch weitere Schwerpunkte nach freier Wahl zu. Die Präsentation erfolgt in Form von je ein bis zwei interaktiven Unterrichtsstunden. Ein wesentlicher Bestandteil dieses Projekts ist die gemeinsame Erstellung eines Portfolios zur Literaturgeschichte, das dem Kurs als Kompendium bei der Vorbereitung auf das Abitur dienen soll (siehe Anlage 1).

Mit diesem Projekt werden folgende Ziele verbunden:

• Die Schüler sollen sich die Fähigkeit aneignen, ihren Arbeits- und Lernprozess in inhaltlicher, methodischer und zeitlicher Hinsicht nach dem eigenen Lern- und Leistungsstand und nach dem eigenen Lerntypus auszurichten.

• Sie sollen Freude am selbstständigen Erschließen von Inhalten entwickeln können.

• Sie sollen sich die Fähigkeit aneignen, ihren Arbeits- und Lernprozess in der Gruppe, aber auch selbstständig zu reflektieren und zu beurteilen. Dies soll sie auch zunehmend unabhängig von der Bewertung durch mich machen.

• Die Schüler sollen einen gut fundierten und breiten Überblick über die Literatur und ihre Geschichte erhalten. Sie sollen Einblick in eine Vielzahl von literarischen Texten gewinnen und sich zumindest ansatzweise mit einigen der bedeutendsten Schriftsteller befassen. Die geforderte Verknüpfung der literarischen Entwicklung mit den Entwicklungen in den Bereichen Kunst, Musik, Naturwissenschaften und Technik sowie im geschichtlichen und gesellschaftlichen Kontext fordert von den Schülern vernetztes Denken und größere methodische Vielfalt.

• Dadurch, dass die Arbeit an die besonderen Bedingungen einer Präsentation unter Einbezug des ganzen Kurses gebunden ist, werden ein adressatenorientiertes Arbeiten und eine größere methodische Vielfalt angestrebt.

• Die Schüler bekommen ihre Arbeitsmaterialien nicht vorgelegt, sondern müssen sie sich zu einem guten Teil selbst beschaffen. Das übt und führt zu größerer Medienvielfalt beim Erarbeiten.

• Dadurch, dass die schriftlichen Einreichungen am Ende als Nachschlagewerk dienen sollen, ist die Arbeit mit einem echten Ziel verbunden, das über rein egoistische Interessen (Erarbeiten einer guten Referatsnote für eine gute Deutschzensur) hinausgeht. Es handelt sich um ein Gemeinschaftswerk des ganzen Kurses. Als Vorbereitung auf das Abitur erhält das Kompendium nur dann Wert, wenn sich jeder Schüler auf die gute und zuverlässige Arbeit der anderen verlassen kann.


Den gesamten Text erhalten Sie => hier als .pdf zum download.


 

► Knut Krödel: Einführung einer täglichen Spielstunde zu Beginn des Hauptunterrichts in der 4. Klasse

Ziele und Motive

Während der Projektepoche habe ich sehr lebenslustige und freudige Kinder erlebt, mit denen ich täglich eine Stunde vor Schulbeginn draußen spielte. Alle Kinder kamen morgens sehr freudig zur Schule und konnten es kaum erwarten hinaus auf den Hof zu können. Ich beobachtete sie während des Spiels und stellte Folgendes fest:

• Jedes Kind konnte sich mit seinem Tun identifizieren.

• Jedes Kind hatte immer wieder neue Spielideen.

• Viele Kinder konnten von den Spielideen anderer profitieren.

• Die Kinder erlebten Sinnesfahrungen pur (Lebenssinn, Gleichgewichtssinn, Tastsinn, Hörsinn, etc.).

• Das Gruppenverhalten war hervorragend und besserte sich ständig.

• Es gab typische Jungs- und Mädchenspiele.

• Gegen Ende der Epoche vermischten sich Jungs- und Mädchengruppen. Ich möchte gern, dass das so bleibt. Mein Motiv lautet: Schule mit Kindern machen, die nicht nur Spaß macht, sondern den Kindern Lernerfolge quasi „nebenbei“ vermittelt. Aus diesen Gründen möchte ich folgendes Projekt erproben:

• Ich werde zu Beginn des Schuljahrs 08/09 eine einstündige tägliche Spielphase in meiner Klasse einrichten.

• Ich werde den Hauptunterricht bis 11:00 Uhr verlängern.

• Ich werde den Hauptunterricht umgestalten und einige Stunden aus dem Fachunterricht integrieren, sodass der Fachunterricht ab 11:00 Uhr entzerrt wird.

• Ich werde den Unterricht täglich bis 13:15 Uhr verlängern, um einen Abschluss zu haben. Dort werde ich mit den Kindern auf den Tag zurückschauen und die Kinder diese Rückschau in kurzen Sätzen aufschreiben lassen

Ich möchte, dass die Kinder spielend lernen, im wahrsten Sinne des Wortes. Sie sollen bemerken, dass sie auch anders lernen können. Das Spiel wird einen gewissen Zeitraum einnehmen, das Lernen im Unterricht aber nicht ersetzen, im Gegenteil. Durchs Spielen werden sich neue Lernmethoden ergeben, die die Kinder selbst mit einbringen werden. Sie werden das Lernen ganz anders begreifen.

Die Kinder dürfen während der Spielpause weitgehend allein bestimmen, was sie tun wollen, und lernen dabei. Was und wie sie im Unterricht lernen, wird von mir angeleitet. Dabei geht es auch um Spielerisches, aber jedes Kind muss sich auf eine ganz andere Weise einbringen und anstrengen. Das bildhafte Unterrichten steht nach wie vor für mich an oberster Stelle.


Den gesamten Text erhalten Sie => hier als .pdf zum download.

Den Werkstattbericht erhalten Sie => hier als .pdf zum download.

 

► Bernd Spieshöfer/F. B.: Arbeitsmaterialien zu den quadratischen Gleichungen (F. B.) und zur Trigonometrie (B. S.) zum selbständigen Überprüfen, Festigen und Trainieren

Ziele und Motive

Um vom Lehrer unabhängiger zu arbeiten, benötigen Schüler Arbeitsmaterialien. Die hier angestrebten Materialien sollen eine systematische Sammlung von kleinschrittig aufeinander bezogenen Aufgaben sein, in denen auf verschiedene Weise der Stoff nachgearbeitet und gefestigt und die Lösungsfähigkeit trainiert werden können. Für gute Schüler sollte er sogar ermöglichen, sich den Stoff selbst zu erarbeiten, für Kranke könnte er die Nacharbeit erleichtern bzw. paralleles Arbeiten zu Hause ermöglichen.


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► Bernd Spieshöfer: Praxisforschungsprojekt Klassenarbeiten: Schüler erstellen und korrigieren ihre Klassenarbeiten selbst (3. Versuch: November 2008 - Physikepoche 9. Klasse)

Zum Verlauf des Projekts

Nach etwa zweieinhalb Wochen war der erste Teil der Epoche (Wärmelehre und Mechanik, Stichwort Dampfmaschine) vorbei, die Schüler hatten fast täglich Unterrichtsteile in Gruppenarbeit durchgeführt und waren das auch von früher aus der Klassenlehrerzeit gewöhnt. Ich habe dann die in der linken Hälfte des Physiksaales sitzenden Schüler beauftragt, sich mit der ersten Hälfte der bisherigen Epoche und die anderen, sich mit der zweiten Hälfte dahingehend zu beschäftigen, dass sie den Stoff durchgehen und aus ihrer Sicht vernünftige Fragen für eine morgen zu schreibende Klassenarbeit zu formulieren. Zeitvorgabe: 20 Minuten, davon 5 Minuten Stillarbeit.

Wie gewohnt verschwanden die meisten in den Speisesaal bzw. die Schülerarbeitsräume und machten sich überwiegend konzentriert an die Arbeit.

Nach der vorgegebenen Zeit kamen sie zurück und wir sammelten die Fragen, indem jede Gruppe ihre Liste nannte und ich jede erstmals genannte Frage an die Tafel schrieb. Die Schüler schrieben eifrig mit. Dies war nach ca. 15 Minuten geschehen, und die Liste enthielt keine Frage, die ich nicht auch hätte stellen können, dazu einige, die ich nicht gestellt hätte, die aber durchaus in Ordnung waren. Es waren Wissens- und Verständnisfragen dabei, Rechnungen und Fragen nach der Funktionsweise der besprochenen technischen Anwendungen, nichts Wichtiges fehlte.

Ich wurde gefragt, ob ich mit den Fragen zufrieden wäre, oder ob ich Dinge vermissen würde. Nein, das sei so in Ordnung, mit Fragen aus dieser Liste müssten sie rechnen, vielleicht würde ich noch ein oder zwei sogenannte Sternchen-Aufgaben zusätzlich stellen, um die ganz flinken Denker herauszufordern. Diese würden aber nicht in die normale Bewertung genommen.

Darüber herrschte große Zufriedenheit.

 


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► Katharina Zowe-Bühler: Von der Lehrerin alter Schule zur Lernbegleiterin: Wechselbeziehungen zwischen dem Arbeitsverhalten der Lehrerin und der SchülerInnen im individualisierten Französischunterricht der Klasse 11

Ziele und Motive

Von März bis April 2008 haben die SchülerInnen der 11. Klasse sich im Französischunterricht selbstverantwortlich auf eine DELF-Prüfung (Prüfung der französischen Sprache) vorbereitet. Ich habe das Material zur Verfügung gestellt und stand beratend zur Seite. Gegen Ende der Projektepoche ließ die Motivation der SchülerInnen deutlich nach. Bei einigen kam offensichtlich Langeweile auf. Ich habe in dieser Situation, die ich schlecht ertragen konnte, die Abschlussprüfung nicht mehr durchgeführt und stattdessen mit den Schülern einen französischen Film angeschaut, um ihnen entgegenzukommen. Durch den vorzeitigen Abbruch des Projekts habe ich den Schülern jedoch die Möglichkeit genommen, das Tief zu überwinden und zum Schluss konkret zu überprüfen, ob sie mit ihrer Arbeitsweise ihre Kenntnisse verbessert und an Kompetenz gewonnen haben.

Für den Französischunterricht von November bis Dezember 2008 habe ich mit den SchülerInnen der 11. Klasse geplant, dass sie ihre Französischkenntnisse selbstständig weiter vertiefen. Sie wollen sich in eigenverantwortlicher Arbeit auf Textverstehen und auf das Verfassen von Texten konzentrieren und sich im freien Sprechen üben. Mein Praxisforschungsvorhaben ist es nun, diese Arbeit der Schüler zu begleiten, ggf. zu unterstützen. Ich will dabei untersuchen, in welchen Situationen ich riskiere, in mein gewohntes Lehrerverhalten zurückzufallen, und wie die Schüler darauf reagieren. Ich möchte die in langen Jahren entwickelten Verhaltensmuster im Umgang zwischen den Schülern und mir weiter und konsequenter abbauen, d.h. ich will nicht mehr lehrerzentriert arbeiten, es als meine Aufgabe ansehen, die Schüler zu motivieren, bei Problemen stets Lösungsvorschläge zur Hand zu haben und durch mein Verhalten den Schülern die Verantwortung für ihr Lernen abzunehmen, sondern ich möchte künftig meine Rolle als Lehrerin so begreifen, dass ich berate und begleite. Ich verspreche mir davon größere Lernerfolge der Schüler, eine entspanntere Atmosphäre im Unterricht, weil die Schüler nach ihren Interessen und in ihrem eigenen Lerntempo arbeiten können, und somit letztlich eine Entlastung für die Schüler und für mich.


Den gesamten Text erhalten Sie => hier als .pdf zum download.