Selbstverantwortliches Lernen in der 9. Klasse
Über zwei Jahre ist es her, dass die KlassenlehrerInnen und eine ganze Reihe von FachlehrerInnen der Klassen 5, 6 und 7 das Mittelstufen-Reformprojekt begannen. Mit dem aktuellen Schuljahr ist die älteste der drei Klassen in der Oberstufe angekommen. Doch heißt dies nicht, dass die in der Mittelstufe angelegten Neuerungen der Vergangenheit angehören. Im Gegenteil: Sie wurden in die 9. Klasse überführt, um jetzt von den Klassenbetreuern Serena Thielen und Christoph Günther in Zusammenarbeit mit einer Anzahl weiterer Fachlehrer fortgesetzt und weiterentwickelt zu werden.
Ausgangspunkt des Projekts „svl 9. Klasse“ ist die große Heterogenität der Schüler. So wie ihre individuellen Leistungsmöglichkeiten sehr unterschiedlich sind, so klaffen auch ihre Interessen und Bedürfnisse weit auseinander. Hinzu kommen unterschiedliche Arten des Lernens und Verstehens. Deshalb liegt das Grundmotiv des Projekts in dem Bedürfnis nach einer Individualisierung des Unterrichts gemäß der Frage: Wo steht jeder Schüler, was braucht er? Immer an ihr Alter und ihren Entwicklungsstand angepasst, sollen die Schüler dazu befähigt werden, selbstmotiviert an ihr Lernen heranzugehen und es zunehmend eigenständig in die Hand zu nehmen und zu steuern. Damit einher geht die Frage nach einer Veränderung der Lehrerrolle: In unserer Tätigkeit als Vermittler und Erzieher wollen wir zunehmend zum beratenden, unterstützenden Lernbegleiter unserer Schüler werden. So liegen die Ziele des Projekts im Wesentlichen in der
• Fortführung und altersgemäßen Weiterentwicklung von Methoden zum selbstverantwortlichen Lernen,
• Individualisierung der Lernprozesse gemäß den unterschiedlichen Möglichkeiten der Schüler sowie nach individuellem Interesse - nicht jeder Schüler muss alles machen,
• Weiterentwicklung der (dem selbstverantwortlichen Lernen angemessenen) Leistungsnachweise der Schüler,
• Verzahnung der pädagogischen Arbeit der am Projekt beteiligten Kollegen und ihrer engen Kooperation,
• Weiterentwicklung der Lehrerrolle zum Berater und zum Begleiter von Lernprozessen.
Ein Schwerpunkt bei der Verfolgung unserer Ziele sind die „Lernzeiten“, die den Schülern bereits seit der Mittelstufe ein Begriff sind. Sie finden für jeden Schüler zweimal wöchentlich für eine Stunde statt und dienen der selbständigen Wiederholung von Inhalten aus den Unterrichten sowie dem selbstständigen Üben oder Vertiefen. Es wird in diesen Zeiten also kein regulärer Unterricht durchgeführt, doch steht immer ein Lehrer als Betreuer und Ratgeber oder Helfer im Einzelfall zur Verfügung. Auch zu diesem Zwecke finden die Lernzeiten grundsätzlich nur in halben Klassen statt. Neu in diesem Schuljahr ist die Führung von so genannten Lernheften, in denen die Schüler über ihre Arbeiten in den Lernzeiten Buch führen und mit deren Hilfe sie –immer mit Unterstützung der Lehrer - ihre Arbeit planen.
Mehrjährige einschlägige Praxisforschung in verschiedenen Unterrichtsfächern hat mittlerweile zu recht umfangreichen Erfahrungen geführt, von denen das Projekt profitieren kann. Bewährte kleinere Unterrichtsprojekte können zum Einsatz kommen, zum Beispiel das selbstständige Arbeiten mit einer Übungsmappe in Einzel-, Partner- oder Gruppenarbeit im Fach Mathematik oder der Einbezug der Schüler bei der Korrektur ihrer schriftlichen Arbeiten im Fach Deutsch. Andere Unterrichtsprojekte sind noch in Planung, über sie wird zu gegebener Zeit berichtet werden.
Weitere Maßnahmen des Projekts sind wöchentliche Teamsitzungen der beteiligten Lehrer, welche die Zusammenarbeit der Kollegen außerordentlich erleichtern, einmal jährlich stattfindende Schülergespräche mit den Klassenbetreuern sowie Eltern-Lehrer-Gespräche.
Irene Jung

